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„Landengel“ als Vision von einer neuen Gemeinschaft

(Bericht der Thüringer Allgemeinen vom 19. März 2018 von Alexander Volkmann)

Das Projekt der Stiftung Landleben soll den Zusammenhalt stärken und das Leben auf dem Dorf für alle attraktiv machen.

Christoph Kaufmann leitet das Projekt „Landengel“. Foto: Alexander Volkmann

Christoph Kaufmann leitet das Projekt „Landengel“. Foto: Alexander Volkmann

Kirchheilingen. „Wir wollen ein regionales Gesundheits-, Pflege und Versorgungsnetzwerk schaffen.“ Die Pläne von Christoph Kaufmann sind ambitioniert und in dieser Form bislang einmalig in Thüringen. Am Freitag stellte der 32-Jährige Kaufmann in Kirchheilingen seine Vorhaben für das Projekt „Landengel“ und einen eigens dafür gegründeten Verein vor.

 

Für dessen erfolgreiche Arbeit müssten sich allerdings viele Menschen darin engagieren. Das war schon im Vorfeld klar, weshalb es am Abend auch um den Dialog mit den Einwohnern ging. Die Stiftung Landleben, unter deren Dach das Projekt entstand, lud unter dem Titel „Unsere Dörfer selbst gestalten“ zum Dialog in den „Alten Speicher“ ein. Knapp 100 vor allem ältere Einwohner kamen.

Der „Landengel“ sieht unter anderem ein Gesundheitszentrum unter dem Namen „Landambulatorium“ vor. Dort soll die ganzheitliche Gesundheitsversorgung unter einem Dach geschehen, erklärte Kaufmann. Ärzte, Physiotherapie, Apotheke an zentraler Stelle, auch Friseur und vielleicht ein Laden für Waren des täglichen Bedarfs gehören dazu. Vorausgegangen war seit 2016 eine Bedarfsermittlung, die „Sofastudie“ des gelernten Krankenpflegers Kaufmann, der auch Gesundheits- und Pflegemanagement studiert hat.

Zum Projekt gehört künftig auch die hauptamtliche Stelle des sogenannten „Kümmerers“ – ein Sozialmanager, der sich der Bedürfnisse der Einwohner annimmt und im Hintergrund ein Netzwerk aus sozialen Diensten im Gesundheits- und Pflegebereich hat, mit dem er arbeitet. Mittlerweile seien schon 16 Kooperationspartner dafür gefunden, sagt Kaufmann.

Im Sommer soll die Stelle besetzt werden – finanziert zunächst über das Dorferneuerungsprogramm in der „Dorfregion Seltenrain“, der auch Blankenburg, Bruchstedt, Urleben, Tottleben, Sundhausen und Klettstedt angehören.

Neben dem Landambulatorium könnten weitere Gesundheitskioske in den Orten entstehen, die der Kümmerer regelmäßig betreut und die beispielsweise auch Räume für Vereine bereit halten.

Im Kern geht es auch darum, die gesamte Gesundheits- und Krankenpflege selbst zu stemmen und damit auch die Wertschöpfung in der Region zu belassen, erklärte Kaufmann.

Drohendem Leerstand entgegenwirken

Angedacht im Projekt, aber noch nicht finanziert, ist auch die Stelle eines Baulotsen, der sich vor allem den drohenden Leerstand in den sieben Orten annimmt, seniorengerechten Wohnraum vermittelt und nach Möglichkeiten sucht, den Zuzug junger Familien zu generieren.

Gute Erfahrungen hat die im Dezember 2010 gegründete Stiftung Landleben in den vergangenen Jahren in dieser Richtung gemacht. Acht Bungalows für ältere Menschen wurden gebaut. In der sanierten alten Schule in Kirchheilingen sind zwei Wohnungen entstanden, die an junge Familien vermietet sind.

Eine neue Art der Gemeinschaft, das ist die Vision beim Landengel-Projekt. Erfolgreich kann das aber nur sein, wenn möglichst viele Menschen Mitglied in dem Verein werden. Sei es, dass sie die angebotenen Dienstleistungen nutzen oder, was noch wichtiger ist, sich auch einbringen, etwa in Form von Nachbarschaftshilfe. 53 Mitglieder hat der Verein bereits.

Gastredner Loring Sittler warb für dieses ehrenamtliche Engagement in den Orten. Die Daseinsvorsorge sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich jeder beteiligen müsse, weil der Staat künftig diese Leistung nicht mehr erbringen könne und werde. Auch müsse man dabei die Wirtschaft – die ansässigen Unternehmen – stärker in die Pflicht nehmen, sagte er. Schließlich hätten die Betriebe ohne gute Lebensbedingungen auch keine Mitarbeiter mehr.

Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) lobte die Idee der „sektorenübergreifenden Versorgung“, die möglicherweise im ländlichen Raum besser realisierbar scheint, wie sie anmerkte.

Als nächster Schritt soll die Stelle des „Kümmerers“ ausgeschrieben werden. Für die Stiftung Landleben ist klar, dass die Position nur mit jemandem besetzt werden sollte, der Land und Leute vor Ort kennt.

Alexander Volkmann / 19.03.18