Kirchheilingen: Behörde geht für Beratung aufs Land

(Bericht der Thüringer Allgemeinen vom 2. April 2019 von Sabine Spitzer)

Landratsamt-Sprechtag hat Premiere in Kirchheilingen. Das neue Angebot soll Hand in Hand mit Modellprojekt laufen.

Dorfkümmerin Estella Ehrich-Schmöller (Mitte) wird ihre Arbeit mit dem mobilen Bürgerservice verknüpfen, dessen Sprechstundenpremiere Diane Bunzel (links) und Diana Gath (rechts) am Montag übernahmen. Foto: Sabine Spitzer

Dorfkümmerin Estella Ehrich-Schmöller (Mitte) wird ihre Arbeit mit dem mobilen Bürgerservice verknüpfen, dessen Sprechstundenpremiere Diane Bunzel (links) und Diana Gath (rechts) am Montag übernahmen. Foto: Sabine Spitzer

Kirchheilingen. Der mobile Bürgerservice des Landratsamtes hat jetzt in Kirchheilingen eine Anlaufstelle. Jeden ersten Montag im Monat soll es von 13 bis 16 Uhr eine Sprechstunde geben. Damit ist der Bürgerservice in zehn Dörfern präsent.

Die neue Außenstelle hat ein Büro bei der Landfactur bekommen. Sie soll am Sprechtag mit zwei Mitarbeitern besetzt sein. Den ersten Beratungstag übernahmen Diane Bunzel und Diana Gath .

Der mobilen Service berät und bietet Unterstützung beim Ausfüllung von Anträgen – beispielsweise für Eltern- und Wohngeld, die Übernahme von Kosten für GEZ und Kindertagesstätten oder für das Beantragen von Parkausweisen für schwerbehinderte Menschen. Das Büro in Kirchheilingen soll auch Anlaufstelle für anderen sechs Seltenrain-Dörfer Blankenburg , Bruchstedt , Sundhausen , Tottleben und Urleben sein.

Der mobile Bürgerservice befindet sich in Kirchheilingen Tür an Tür mit dem Büro des „Dorfkümmers“. Estella Ehrich-Schmöller ist seit vier Wochen im Amt. Beschäftigt wird sie von der Stiftung Landleben, die den Zuschlag für das Projekt bekommen hat (unsere Zeitung berichtete). Die 57-Jährige wird auch künftig eng mit dem mobilen Bürgerservice zusammenarbeiten. „Irgendwann wird es keine Trennung mehr geben“, ist Landrat Harald Zanker (SPD) sicher, „die Bürger werden nur merken, dass man sich um sie kümmert.“

Estella Ehrich-Schmöller ist gelernte Krankenschwester. „Den meisten Bedarf gibt es bei Fahrdienstleistungen zum Arzt oder zu Behandlungen “, berichtet sie. Denn viele der älteren Menschen seien nicht mobil. Als Dorfkümmerin ist sie Anlaufstelle für sämtliche Alltagsprobleme. Sie soll ein offenes Ohr für andere haben und Hilfe anbieten. Auch Fahrten zum Einkaufen, in die Therme oder zum Markttag nach Bad Langensalza werden organisiert.

Der „Dorfkümmerer“ ist ein Modellprojekt in der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt . „Ganz Thüringen schaut auf uns“, sind sich Frank Baumgarten und Christopher Kaufmann von der Stiftung bewusst, dass es große Erwartungen gibt. Denn erstmals wird eine Betreuung im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms gefördert, dessen Geld bisher nur in Bauvorhaben floss. Das Pilotprojekt läuft bis 2020.

Schon jetzt ist das Modellprojekt Vorbild für den Unstrut-Hainich-Kreis. Nicht nur den Inhalt, sondern auch den Namen „Dorfkümmerer“ hat der Kreis für sein Konzept übernommen, das 20 Kleinprojekte fördert. Laut Zanker gibt es bereits eine Zusage für Fördermittel in Höhe 480.000 Euro vom Land, weitere 170.000 Euro stehen in Aussicht. „Das Land hat erkannt, dass die Daseinsvorsorge auf professionelle Füße gestellt werden muss“, so der Landrat.

Sabine Spitzer / 02.04.19